ab 03. September 2020

Emil Cimiotti

Übergänge

Unter dem Titel „Übergänge“ zeigt die Galerie Haas Zürich ab 3. September 2020 Skulpturen und Zeichnungen des Bildhauers Emil Cimiotti.
Das Werk dieses wichtigen deutschen Bildhauers, der 1927 in Göttingen geboren wurde und 2019 in Wolfenbüttel starb, wird damit zum ersten Mal in der Schweiz gezeigt.

Von 1963 bis 1992, war Cimiotti Professor an der Stattlichen Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und zählt zu deren Mitbegründern. Seine Werke wurden auf der Documenta II und III und der Biennale in Venedig gezeigt und, er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. Innerhalb der Kunstgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nimmt er einen besonderen Platz ein, entwickelte er doch ein technisches Verfahren, das sich für die moderne Skulptur als wegweisend erwies: das Wachsausschmelzverfahren.
Dazu erklärt der Künstler selbst: „Bis dahin hatte der Weg in der Bildhauerei fast ausschließlich von der zeichnerischen Ideenskizze zum kleinen Modell geführt, dann vom Modell zum Gerüstbau und vom Gerüstbau zum Aufbau des Objektes. Diese drei Schritte wurden von uns zusammengefasst zu einer direkten und unmittelbaren Inangriffnahme der Ausführung. Dazu war das Wachs das ideale Material, weil es bis zum Endstadium immer wieder Änderungen zulässt, andererseits aber auch das größtmögliche Maß an Spontaneität erlaubte…“. Dieses Verfahren ermöglicht den organischen Übergang von der Kreation zur Ausführung und zur Endform in stabilerem Material in direkter Folge. Über seine Arbeitsweise sagt Cimiotti:

„…(eine) Abfolge von zum Beispiel Zellen, Waben, Kavernen – eben von spezifisch einander zugeordneten Räumen/ Damit zusammen fällt die Gleichzeitigkeit von innen und außen. Innen und außen sind identisch. Damit entstehen neue Inhaltlichkeiten, Assoziationsfelder, ‚Landschaftliches‘, ‚Bergformationen‘, ‚Zonen‘, ‚Innenwelten‘, ‚Erdkrusten‘ oder auch ‚Materie‘, ‚Fleischklumpen‘, ‚Verletzungen‘, ‚Schnitte‘…“

Inhaltlich und formal macht der Bildhauer zwischen Landschaftlichem und Körperlichem keinen Unterschied. Und es ist für ihn ohne Relevanz, wie, ob und in welchem Umfang er sich in einzelnen Werken vom Gegenständlichen distanziert und zeitweise wieder annähert. Für Cimiotti ist allein wichtig, dass er seinem Prinzip der „Übergänge“ treu bleibt und es weiterentwickelt. Es entstehen Figurengruppen und komplexe Strukturen, er gestaltet Skulpturen ähnlich schwingenden Bändern oder Streifen, er fertigt abstrahierte Bäume, Berge, Stufen und Krater, und interessiert sich doch nur für des Essentielle darin. 1962 schreibt er nieder, was ihn fasziniert: „Materie, aber nicht das Beständige daran, das Kompakte, sondern das Vorübergehende, das Temporäre…“- eben Übergänge.
Gerade im Diskurs der sich aktuell vehement verändernden Welt, stellen diese Werke anschaulich jene Pluralität und Veränderung dar, die feste Prinzipien des menschlichen Daseins ausmachen, die aber allzu oft ausgeblendet werden. In dieser Hinsicht erweisen sich Cimiottis Werke als aktueller denn je.

Die Galerie Haas freut sich, 10 Skulpturen Cimiottis und 13 Zeichnungen präsentieren zu können, wovon letztere auch als eigenständige Werke zu verstehen sind. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache.

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