16. Januar – 20. Februar 2020

Jiří Georg Dokoupil

Neuanfänge

Jiří Georg Dokoupil  wurde 1954 in Tschechien geboren, das damals noch Tschechoslowakei war. Nach der Invasion der Russen 1968, floh er als 14-Jähriger mit seiner Familie nach Deutschland.

Jiří Dokoupil verliert damit nicht nur seine Heimat, sondern auch seine Wurzeln, seinen Halt. Es dauert einige Zeit bis er neue Wurzeln finden kann, nämlich in der Kunst, genauer gesagt im Bildersuchen und Bildermachen. Und er wird nicht müde werden, dieses Unterfangen bis zum heutigen Tage weiterzuverfolgen. Ein notorisch Suchender, der stets von neuem einen Anfang ergründet. Die Kunst, die Dokoupil nun zu seinem Terrain und seiner Heimat auserkoren hat, ist eben nicht geographisch fixiert, sondern kann immer und überall generiert und ausgeführt werden. Kunst ist der Teil seines Lebens, der ihn nie verlässt oder zurückgelassen werden muss.

Konzeptionell kommt hinzu, dass Dokoupil für seine Kunst Themen und Techniken auswählt, die das Wandelbare, das Ephemere, ja den Balanceakt und das Unberechenbare beschreiben. Damit bleibt er sich und seiner Haltung, immer zum Aufbruch bereit zu sein, treu.

Nach Studienzeit in Deutschland und USA begegnet Dokoupil Walter Dahn, mit welchem er zusammen mit Hans Peter Adamski, Peter Bömmels, Gerard Kever und Gerhard Naschberger die „Mühlheimer Freiheit“ gründet, ein Zusammenschluss künstlerischer Individualität unter dem Motto einer expressiv gegenständlichen Malerei.

Eine erste Einzelausstellung hat er 1982 und seitdem sind Jiří Georg Dokoupils Arbeiten in namhaften Galerien und Museen überall auf der Welt gezeigt worden. Dokoupils Leben gleicht jenem eines Nomaden, der aus dem Sich-Bewegen heraus seine Kraft, Inspiration und seine Selbstbehauptung gewinnt.

„Sich-Bewegen“  bedeutet für ihn mehrerlei:  Änderung der Arbeits- und Lebensorte, Änderung seiner Werkstile und Sich-Einlassen auf Themen, die Veränderung implizieren oder geradezu herausfordern. Dies erklärt, warum er an so unterschiedlichen Orten wie Berlin, Madrid, Rio de Janeiro, Plovdiv (Ungarn) und Las Palmas lebt. Und warum er künstlerisch neben Pigmenten so unterschiedliche Techniken, wie Ruß, Orangensaft, Muttermilch, Reifenabdrücke, Seifenlauge, Inkjet Druck, Gips und vieles mehr anwendet. Ähnliches lässt sich über seine Motive sagen, die sich über die Jahre erweitert, aber nicht im Unverbindlichen verloren haben. Genau betrachtet sind Dokoupils ständige Veränderungen und, damit einhergehend, seine Bewegungen nicht linear zu verstehen, sondern vielmehr spiralförmig. Dokoupil arbeitet und lebt in Zyklen und hat sein Konzept gefunden, um damit dem Fluss des Lebens Stetigkeit zu verleihen.

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