25. August – 8. Oktober 2016

Kerstin Grimm

Die Galerie Haas Zürich zeigt vom 25. August 2016 – 8. Oktober 2916 unter dem Titel „lost and found“ monumentale Zeichnungscollagen und kleine Bronzeskulpturen der in Berlin lebenden Künstlerin Kerstin Grimm.

In beiden Medien beschäftigt sich Grimm mit der Darstellung von Kindern.

Jeder Erwachsene kennt aus eigener Kindheit schöne und beängstigende Begebenheiten, hatte Träume und Albträume. Und jeder von uns wird gelegentlich an diese Gefühle von Macht und Ohnmacht  erinnert, sei es durch reale Situationen – oder durch die Kunst. Wie jene von Kerstin Grimm.

Die Künstlerin Kerstin Grimm zeigt in ihren Collagen Kinder, Tiere, Gegenstände und Landschaften.  Zunächst glauben wir, darin Vertrautes (Schönes und Beängstigendes)  erkennen zu können. Wir nehmen die Kinder  gleichsam als unsere Stellvertreter wahr.

Doch so einfach kann man Grimms Bilder nicht entschlüsseln. In ihnen verhalten sich Kinder, Dinge und Räume eigenartig fern, manchmal geradezu unnahbar zueinander und vor allem uns gegenüber. So war unsere Kindheit doch nicht, oder?! Die Bilderszenen erscheinen außerhalb der menschlichen Dimension und Nähe, wie umgekehrt durch ein Fernglas gesehen. Sie ziehen unsere Erinnerungen an und stoßen sie gleichsam ab. Sie irritieren. Und bleiben rätselhaft. Mysteriös.

Ausgangsmotive für ihre Arbeiten findet die Künstlerin in der Kunstgeschichte, im Alltag und in der Literatur. Sie führt einerseits bis in die Renaissance zurück, zu  berühmten Kinderdarstellungen innerhalb der Marien-, Christus- und Johannesdarstellungen. Andererseits speist sich ihr Bilderschatz aus Kinderfotografien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Offen und interessiert ist die Künstlerin auch gegenüber modernen technischen Objekten, seien es Kampfhubschrauber oder beispielsweise die Abhöranlage „Field Station“ auf dem Teufelsberg bei Berlin. Hierbei sind es nicht nur die geometrischen und räumlichen Formen, die Grimm faszinieren, sondern auch die inhaltlichen -politischen und ideologischen – Bezüge dieser Elemente, die wiederum bestimmte Gefühle auslösen.

Sind Grimms Bilder Sehnsuchtswelten, in die die Künstlerin Kinder, Tiere und Gegenstände stellt? Oder  ist dies die kritische Auseinandersetzung mit Teilen eines vielleicht angsterfüllten frühen Lebens, unseres Unterbewusstseins, die Grimm hier anstrebt? Ist es die Suche, nach dem, was verloren geglaubt oder was verdrängt ist? Wie eine Seherin, bindet sie Gegenwart an Distanz und Vergangenheit an Nähe, ebenso sehr, wie sie Macht mit Kindheit und Ohnmacht mit Leben zusammenbringt. Das Mysterium ist der Künstlerin Gewissheit.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in Deutsch und Englisch.

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