28. Januar – 11. März 2016

Sabine Moritz

Blumen, Masken, Schädel

Sabine Moritz überrascht immer wieder mit neuen Bildmotiven. Sie malt und zeichnet Blumen, Objekte, aber auch Schiffe, Helikopter, Häuser und Menschen. Ausgangspunkt ist ihre Faszination von Realität. In unserer Ausstellung liegt das Augenmerk auf den Stillleben mit Blumen und Objekten von 2002 bis 2015. Diese Motive können den Werdegang der Künstlerin umfassend repräsentieren. Gezeigt werden 7 Ölgemälde und ca. 21 zum Teilfarbige Arbeiten auf Papier.

Moritz, die 1969 in Quedlinburg/ Deutschland geboren wurde, in Offenbach und Düsseldorf studierte, 1995 Gerhard Richter heiratete und mit ihm 3 Kinder hat, malte schon während ihres Studiums in den 90er Jahren Stillleben, ihre letzte Serie hat sie Ende 2015 fertiggestellt und speziell für die Zürcher Ausstellung gefertigt. Anregung hierfür war ein Werk von Georges Braque aus dem Jahr 1953, in Ocker-, Orange- und Grautönen. Moritz bezieht sich in Details farblich und kompositionell auf dieses Bild, bleibt stilistisch und inhaltlich aber ganz bei sich.

„Wenn man malt, versucht man die Zeit anzuhalten. Denn alles kommt schließlich zu einem Ende, hört auf zu sein. Wir können Blumen beim Wachsen, in der Blüte und im Verwelken beobachten und leben selbst weiter. Objekte dagegen überdauern wiederum uns. Der Mensch scheint in seiner Existenz irgendwo dazwischen zu stehen“, stellt die Künstlerin fest. Ihre Bilder malt sie in Schichten. Die Addition dieser Malschichten nimmt nicht nur Zeit in Anspruch, sie visualisiert und eröffnet auch ein bildnerisches Raum-Zeit-Kontinuum. Dieser Bildraum birgt das ganz speziell Malerische der Künstlerin und bindet Motive und Bildzeit an ihre Welt und ihre Zeit. Mit ihm bringt sie Emotionen ins Spiel, mit ihm variiert sie Anschauungsqualitäten von eigentlich gleichen Motiven. Neben Blumen malte Moritz eine Serie, die als Gegenstand eine aus dem Kongo stammende Chokwe Maske zeigt.

Die Künstlerin interessierte sich für dieses Objekt aufgrund der Intensität, Stärke, Innerlichkeit und Konzentration. Doch auch die Vergänglichkeit des Lebens, tragendes Motiv aller Stilllebenmalerei, schwingt hier als Thema mit. Die Bildmotive werden zu Trägern verschiedener Stimmungen, erscheinen zwischen linearer Klarheit und farbigem Bewegtsein. Ihre Farbpalette ist reich an Nuancen und bietet Raum für subtile Unterscheidungen. Kompositionell gibt die Künstlerin Grenzen und Haltepunkte vor, malerisch lässt dem Betrachter Spielraum zur Bilderkundung und Selbstbefragung: zwischen sich Öffnen und sich Entziehen, zwischen Denken und Fühlen.

Das ist es, wenn die Künstlerin meint: die Zeit anhalten, ihr sichtbar und fühlbar Raum und Tiefe geben, der Vergänglichkeit unseres Daseins einen kurze Rast gewähren. Indem Sabine Moritz‘ Kunst diesen Spalt offenhält, gibt sie uns die Zeit für ein intensiveres Erleben, sie gibt uns erfüllte Zeit für einen Augenblick, ja die Möglichkeit für ein kurzes „Leben dazwischen“.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

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