29. August – 04. Oktober 2013

Heribert C. Ottersbach

Sils Maria oder Ebene 4 ist heute nicht verfügbar

Ein wunderbarer Ausstellungstitel, der so viel beinhaltet und zugleich so viele Fragen aufwirft. Er erzählt über den Künstler und über die Schweiz, wo nun Werke von Heribert Ottersbach bereits zum  dritten Mal in einer  Ausstellung in Zürich gezeigt werden.

Sils Maria ist ein traditionsreicher, in der Schweiz und darüber hinaus berühmter Ort, an dem Kultur- und Kunstgeschichte geschrieben wurde. Viele Künstler, Literaten, Philosophen, Geistes- und Naturwissenschaftler haben die wunderbare Landschaft und ihre besondere Atmosphäre gesucht und geschätzt. Das Waldhaus ist nicht nur Hotel sondern Institution, seit über hundert Jahren Treffpunkt und Inspiration vieler. Auch Heribert Ottersbach erhielt dort Anregung für einige seiner hier gezeigten Werke.

„Ebene 4 ist heute nicht verfügbar“ ist einerseits Teil der Computersprache. Offensichtlich  handelt  es sich um eine Fehlermeldung, die beim Arbeiten mit Photoshop auftauchen kann, wenn Daten aus unterschiedlichen Ebenen auf einer einzigen Arbeitsebene zusammenkommen sollen und die Datenmenge die technische Kapazität überfordert. Da Ottersbach seine Bilder zunächst auf dem Bildschirm komponiert, bevor er sie auf Leinwand oder Papier bringt, hat er diesen Satz schön öfters gelesen.  Und doch könnte dieser Satz auch auf ganz andere Dinge hinweisen, die jenseits unseres rationalen Verständnisses liegen.

Denn es gibt noch einen dritten Faktor, der diese Ausstellung beeinflusst hat. Die Galerie Haas hat vor einiger Zeit die Idee entwickelt, Künstler auszustellen, die sich einen Klassiker, vornehmlich Schweizerischer Herkunft  als Leitfigur auswählen können. So ist beispielsweise das Augenmerk  von Pia Stadtbäumer auf Félix Vallotton gefallen, das von Leiko Ikemura auf Ferdinand Hodler. Heribert Ottersbach hat sich Alberto Giacometti ausgesucht, genauer gesagt einen „Blumenstrauss mit Apfel“ von Alberto Giacometti (1901 – 1966), ein Werk, das Giacometti  1961 schuf. Was Ottersbach an diesem Bild besonders anzog, wissen wir nicht genau. Es mögen die lineare Darstellungsweise, die struppige Malerei  und die bühnenartige Komposition gewesen sein, aber auch unbewusste Kriterien mögen eine Rolle gespielt haben.

Sicher ist, dass Ottersbach nicht zufällig im Waldhaus in den Fluren der 2. und 3. Etage besonders auf die Trockenblumensträusse in Vasen geachtet hat, die ihn zu Tuschezeichnungen, Gouachen und Gemälden anregten, die wir in der Ausstellung zeigen. Darunter auch Sträusse, die den „Bilderstreit“ zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion austragen .  In der 4. Etage war er dagegen nie. Es gibt also viele Inspirationsquellen, auf die sich diese Ausstellung bezieht.

Für den Katalog entstand  ein literarischer Text, Blaustein bei den Schweizern – eine Traumreise, der die Komplexität dieser  Ausstellung, vor allem aber jene der Künstlerpersönlichkeit H. C. Ottersbachs verdeutlicht. Ein gelungenes Gesamtkunstwerk, das Historie und Gegenwart innerhalb und ausserhalb der Schweiz verbindet.

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